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Ostbücher > Berlin-Ost


Berlin-Ost. Das letzte Jahrzehnt
Freudianische Beweise
VON FABIAN TWEDER

Wie hat es ausgesehen, damals in Ost-Spreeathen? Ein Schwarzweiß-
foto-Buch zeigt es: Jugendtanz, Baustellen, Festumzüge, Aufmärsche und Paraden, Schornsteinfeger, Bauarbeiter und Schachspieler, Palast der Republik und Friedrichstadtpalast, Schaufrisieren, Plattenbau, »Jugendobjekte«, Schönhauser Allee, Stefan Diestelmann und Sandmännchen, Frühlingsfee und Prof. Tierpark-Dathe, Spindkontrolle mit Hauptfeldwebel, Trabis, Wartburgs, Saporoshez, Zentralküche, Friedenslauf, FKK am Müggelsee, Jugendfestival, Pfingsttreffen, Gurkenernte im Studentensommer, BFC Dynamo und 1. FC Union, die Strittmatters, Silly, Altstoffsammlung, Gerhard Schöne, Helga Hahnemann.

Alles da und alles mit dem Blick eines bei ADN-Zentralbild geschulten DDR-Fotoreporters. Geknippstes und Gestelltes und immer ein bißchen betulich.

»Was machen mit den Fotos, die du da hast«, das war der Anstoß. Die Negativtaschen nach dem Typischen durchwühlen, »das nur damals gewesen sein« konnte, das war das Rezept. »Einige pfiffige und kreative Köpfe« sollen den Autor »tatkräftig« unterstützt haben, heißt es im »Dank«. Fragt sich nur wobei. Bei den Beitexten ganz sicher nicht. Denn diese sind meist einfach aus DDR-Zeiten abgetippt. Kostprobe: »Auf der 27. Bezirksmesse der Meister von Morgen wurde im September 1985 in der Werner-Seelenbinder-Halle die neueste Jugendmode vorgeführt. Auf der Messe zeigten die Jugendkollektive Berlins ihre neuesten Forschungsergebnisse aus Wissenschaft und Technik.« (S. 36) »Pfiffig und kreativ« ist das nicht unbedingt.

Die distanzierteren Stellen lesen sich hingegen so: »Parken am Palast: 'Erichs Lampenladen' war ein Besuchermagnet - nicht nur für die Hauptstädter, wie die Autonummern verraten« (S. 16) oder »Am Straßenrand wartete die Bevölkerung auf Honecker und Genossen.« (S. 54).

Vier Kapitel hat das Werk. Das erste Kapitel lautet »Der Sozialismus - Deine Welt«. Ironie oder Naivität? Genauso hieß schließlich das Buch, das jeder 14jährige zur Jugendweihe staatlich geschenkt bekam. Die anderen drei Kapitel: »Der ganz normale Alltag«, »Das Leben in der Platte«, »Die Wende«. Viel Hirnschmalz wurde auch dabei nicht investiert. Zudem geriet beim Zuordnen der Bilder mancherlei durcheinander: Stefan Heym etwa, dessen Autobiographie »Nachruf« im DDR-Verlag »Der Morgen« erst nach der Wende 1990 erschien, tummelt sich signierend bereits im Kapitel »Der Sozialismus - Deine Welt«.

Katarina Witt

Wo sind die allseits geforderten »schönen Schnappschüsse«? Was wäre postkartentauglich? Vielleicht die Telefonzelle mit Warteschlange (S. 78/79) oder der 26-PS-Trabi einträchtig neben der zweispännigen Pferdekutsche auf der Hellersdorfer Straße (S. 97), die jugendfrische Kati Witt, eingefangen mit Praktika auf NP 27 - wie die Zeit vergeht... Auch die Kindergarten-Kinder, die im Fünferpack auf dem Erwachsenen-
WC-Becken mit Podest klucken, nebeneinander aufgereiht wie die Hühner auf der Stange (S. 60) sind nicht von schlechten Eltern. Da entspann sich kürzlich folgender Dialog im TV zwischen der stellvertretenden Bundestagspräsidentin und dem Ex-Kulturstaatsminister:

Katrin Göring-Eckardt: »Ich weiß, daß es auch Frauen [in der DDR] gab, die gesagt haben: In diese Krippen möchte ich mein Kind eigentlich nicht schicken. Zwanzig Kinder, die gleichzeitig auf den Topf gesetzt werden, das ist nicht meine Vorstellung von Erziehung.«

Gruppen-Kacken im Kindergarten

Michael Naumann: »Jeder Freudianer würde sich für diese merkwürdige Phase der kindlichen Erziehung, ganze Brigaden auf einem Topf, interessieren. Das muß doch seelische Konsequenzen gehabt haben.«

Katrin Göring-Eckardt: »Ich selbst bin nicht so groß geworden. Meine Eltern haben immer so gearbeitet, daß sie mittags angefangen haben. Die waren Tanzlehrer. Die waren ganz froh, mich morgens zu sehen. Deswegen war ich nicht in der Kinderkrippe. Deswegen bin ich jetzt nicht das gute Beispiel, wo Sie womöglich erkennen könnten, was passiert ist.« (Im Palais: Erfolgsmodell Frau, rbb, 8.3.2007)

Nun, bei Uhlemann sind es nachweislich nicht zwanzig Kinder, sondern nur fünf. Sie sitzen auch nicht alle auf einem Topf, sondern jeder hat seinen. Aber geschah all dies Freudianische in der Kinderkrippe oder erst bzw. auch noch im Kindergarten? Jemand hätte in der Sendung mit dem Uhlemann-Foto herbeieilen müssen...

Thomas Uhlemann: Berlin-Ost. Das letzte Jahrzehnt, Sutton Verlag, Erfurt 2006, geb., 128 S., Bestellen

 
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