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Ostbücher > Konsumgenossenschaften


Konsum. Konsumgenossenschaften in der DDR


Butter, Bürsten, Umsatz-
marken

VON FABIAN TWEDER

Es war eine Frage der Aussprache: Konnsum oder Konsuum. Daran entschied sich, ob der Konsum-Laden oder das Konsumieren als solches gemeint war. Mit dem Konsumieren war es nicht weit her in der DDR. Die Läden gab es hingegen überall - obwohl die wenigsten wußten oder wissen, was es damit auf sich hatte.

Die Wissenslücke füllt ein Buch, das vier Teile hat: »Geschichte«, »Konsumkultur und Verkaufskultur«, »Betriebe des Konsum« und »Der Konsum in seiner Entwicklung«. Im ersten Teil wird die Auferstehung der Konsumgenossenschaften nach 1945 und die Einbettung des Dorfkonsums in das »Komplexe System der Landversorgung« abgehandelt. Es geht um die konsumeigenen Einkaufszentren, Gaststätten, Kaufhallen, Warenhäuser und den Versandhandel. Schwerpunkt sind die Ulbrichtschen Fünfziger und Sechziger Jahre.

Deutlich lebensnaher gestaltet sich der zweite Teil: Fühlte es sich wirklich so schlimm an, in einem Dorfkonsum einzukaufen? Welche »Abwertungseffekte« ergaben sich durch den hohen Frauen-Anteil am Konsum-Verkaufspersonal? Wie war das mit den Umsatzmarken?

Um im Konsum einzukaufen, mußte man nicht Mitglied sein. Trotzdem hatte der Konsum 1989 4,6 Millionen Mitglieder. Und das, obwohl es keine »freiwillige Pflichtmitgliedschaft« gab wie bei anderen DDR-Massenorganisationen. Der Grund war die Rückvergütung von mindestens 1,5 Prozent des Umsatzes am Jahresende. Diesen Rabatt wollten sich die Leute nicht entgehen lassen. Heraus kam immerhin eine Summe, die für die Kohlenlieferung oder den Weihnachtsbraten reichte. Da hatte man die 50 Mark für den Genossenschaftsanteil schnell wieder rein.

Was war das Besondere am Konsum? Preislich unterschieden sich Konsum und staatliche Handelsorganisation (HO) nicht. Verschieden war jedoch das Warenangebot. Der Konsum kredenzte zwar ein breiteres Sortiment aus den Konsum-Fabriken. Wurde aber bei der staatlichen Zuteilung von Bückware wie Halberstädter Würstchen, Moccafix-Kaffee oder Pilsner oft stiefmütterlich behandelt.

Ein weiterer Unterschied: Der Konsum sollte vor allem die Versorgung mit Nahrungs- und Genußmitteln sowie den »1000 kleinen Dingen« auf dem Lande sichern. Die HO hingegen in der Stadt.

Im Brigadebuch einer Konsum-Textil-Verkaufsstelle mischen sich Selbstverpflichtungen (»aus Bademänteln 150 Seiftücher nähen«) mit dem Kampf um dieselbe Zuteilung wie sie die HO bekam (»200 Dederonkleider«). Die Leiterin eines Dorfkonsums in der Prignitz verrät, wie man auch auf dem Lande, wo ja jeder seine eigenen Apfelbäume hat, massig Äpfel verkauft.

Ein Poem von Hansgeorg Stengel aus dem »Eulenspiegel« Nr. 30/1959 wälzt die Schuld an Engpässen auf den Handel ab, dem Puffer zwischen Produzent und Konsument: »Schon mancher gute Patriot / blieb querulierend auf der Strecke / beim Haushaltswarenangebot / des Konsumladens an der Ecke.«

Der dritte Teil des Buches widmet sich der konsumeigenen Produktion. Die gab es nämlich auch. Nicht nur Geschäfte. Da ist die Bürstenfabrik Stützengrün und das Nährmittelwerk Erfurt (Rotplombe Back- und Puddingpulver). Außerdem das Riesaer Triumvirat aus Seifen-, Zünd- und Teigwarenwerk. Und nicht zuletzt das Süß- und Dauerbackwarenkombinat, zu dem beispielsweise die illustre Bonbonfabrik Markkleeberg (Pfeffi, Drops) und das berühmte Magdeburger Röstfein-Kaffeewerk gehörten.

Dem vierten Teil schließlich ist die Zeit nach 1990 vorbehalten. Da es die DDR da nicht mehr gab, ist dies vom Buchtitel eigentlich nicht mehr gedeckt. Aber wie kann man ein Buch über den Konsum herausbringen, ohne die entscheidende Frage zu beantworten: Gibt es ihn noch, den Konsum? Ja ja, aber nur noch regional versprengt.

Auf zwei Fragen geht das Buch leider nicht ein: Wie kam der Konsum überhaupt zu seinem dem Lateinischen (von consumere) entlehnten Namen? Wieviele Konsum-Kassiererinnen starben schon vor der »Wende«, ohne jemals bei Aldi oder im KaDeWe geschwelgt zu haben?

Andreas Ludwig et al.: KONSUM. Konsumgenossenschaften in der DDR. Herausgegeben vom Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2006, brosch., zahlr., teils farbige Abb., 204 S., Bestellen

Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Dokumentations-
zentrum Alltagskultur der DDR, Eisenhüttenstadt, und in der Neuen Kauffahrtei, Chemnitz.

 

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