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Ostbücher > Die Schulden des Westens


Die Schulden des Westens
Reparationen, Embargo, Anschluß
VON FABIAN TWEDER

12. Mai 2010 · Schöne Bescherung: Die BRD ist faktisch pleite und da flattert auch noch eine Rechnung aus der DDR auf den Tisch! Gewaltige 1748 Mrd. Euro (Stand 9.5.2010) betragen die deutschen Staatsschulden. Klaus Blessing packt noch über sieben Billionen DM dazu. So hoch ist nach seinen Berechnungen der Schuldenberg, den der Westen von 1949 bis 2000 gegenüber Ostdeutschland angehäuft hat. Dazu zählt der promovierte Ökonom sowohl Schaden Ost als auch Nutzen West. Ist dieser Ansatz korrekt? Dürfen die Mittel, die Westdeutschland z.B. aus dem Marshallplan erhielt, als Ost-Schulden verbucht werden? Der Autor präsentiert an dieser Stelle 280 Mrd. DM. Offen bleibt, wie diese Zahl zustande kommt. Laut Wikipedia bekam Westdeutschland ca. 1,4 Mrd. US-Dollar, im heutigen Geldwert etwa 10 Mrd. aus dem Marshallplan.

Blessing geht es vor allem »um die Dimension der Aussage«, um die »Größenordnung«, nicht im Kommastellen. Die 7 Billionen sind daher auch noch nicht die ganze Wahrheit. Sie beinhalten nur die direkten Auswirkungen, die Folgewirkungen lassen sich kaum quantifizieren. Außerdem sind seit 2000 weitere 10 Jahre vergangen, in denen die Abwanderung unverdrossen anhielt. So summieren sich »real über 10 Billionen DM«, die der Westen dem Osten schuldet.

Wird nun alles auf die Reparationen geschoben? Spielen Ausgangsbedingungen überhaupt so eine Rolle? War der Westen nicht sowieso »einfach besser«? Beim 100-Meter-Lauf garantieren 10 Meter Vorsprung sogar dem Schlechteren den Sieg. 10 Meter Rückstand hatte die DDR gegenüber der BRD allemal. An Überholen war zu keinem Zeitpunkt zu denken.

Im Kapitel »Die Verleumdung der DDR« beschäftigt sich Blessing mit drei Fragen: »War die DDR bankrott?« Nein, das berühmte »Schürer-Papier« sollte ein Appell an Krenz sein, keine Bankrotterklärung. Außerdem kannte noch keiner die KoKo-Milliarden. »War die DDR unproduktiv?« Nein, die DDR war produktiver als Irland, Spanien, Griechenland und Portugal, aber unproduktiver als die BRD. »Ist das Wirtschaftssystem der DDR gescheitert?« Jein: »Das Problem war nicht der Plan, sondern die 'materielle Zuteilungswirtschaft' unter weitgehendem Ausschluß von Effektivitätskriterien.«

Der Autor untermauert seine Thesen durch allerlei Zitate von Horst Köhler bis Henryk M. Broder, von Kurt Biedenkopf bis Hans Modrow. Das beste Zitat stammt jedoch von Wolfgang Schäuble: »Ich mußte Herrn de Maizière immer wieder darauf hinweisen, daß es sich um einen Anschluß der DDR und nicht um eine Vereinigung zweier Staaten handelt.« Wer sollte es besser wissen als Schäuble, der den Einigungsvertrag verzapft hat? Warum redet Schäuble heute nicht genauso von »Anschluß«?

Ist Blessings Zahlenwerk zu trauen? Solche Stellen machen stutzig: »Auswege aus der ostdeutschen Krise aufzuzeigen und dazu Kärfte (sic!) zu mobilisieren«, »die DDR hatte eine Menge ungelöster ökonomischer Probleme, das ist wohl war (sic!)«, »über sieben Billionen DM«, aber in der Tabelle steht 7120 mit »Gesamtschulden in Millionen DM« drunter. Sind 7120 Millionen etwa über sieben Billionen? Sorgfalt sieht anders aus. Sind da vielleicht irgendwo noch Zahlenrdeher drin? Offenbar mußte der Autor das Buch, wie heute so oft, schnellschnell zusammenschustern.

Blessing war in der DDR Staatssekretär und Abteilungsleiter im ZK der SED. Er hat die DDR also mit in den Sand gesetzt. Hat der Experte damit nicht für immer das Recht verwirkt, sich zu beschweren? Eigentlich ja. Aber wer sonst sollte den Ehrgeiz und den Fleiß aufbringen, alles irgend Greifbare zur Ehrenrettung der DDR-Wirtschaft zusammenzutragen?

Klaus Blessing: Die Schulden des Westens – Was hat die DDR zum Wohlstand der BRD beigetragen? edition ost, Berlin 2010, 127 S., Rücktitel · Aktualisierte Neuauflage 2014 bestellen · Kommentieren

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